Thomas Mann an Redaktion ›Vossische Zeitung‹, Berlin
- Zeitraum
- Mittwoch, 15. August 1928
- Datierung
- ohne Datum [vor 15.8.1928]
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Fragt, welcher Deutsche wohl etwas anderes sein möchte als ein Deutscher, und wer je aufgehört habe, an die Zukunft Deutschlands zu glauben. Es gebe zwar zehn Jahre nach der Niederlage noch viel Verstörtheit, Vertrotztheit, Zerrissenheit und Hass. Aber Deutschland besitze eine gute »Heilhaut« und in weiteren zehn Jahren werde man nur noch ein Achselzucken für das haben, was uns heute entzweie. Der Krieg sei eine historische Notwendigkeit gewesen, »um Europa auf eine neue Stufe seiner sozialen Bildung zu heben«, und Deutschland habe an dieser Entwicklung teilgenommen. Lehnt jede hypochondrische Meinung ab, dass Deutschland von der Zukunft ausgeschlossen sei. »Es wisse, daß es dem Ganzen unentbehrlich ist, wie ihm unentbehrlich das Ganze.« In diesem Selbstgefühl solle es Hand anlegen an ein Werk, »von dem es alles zu hoffen hat«.
