Thomas Mann an Peter Wust
- Zeitraum
- Mittwoch, 18. September 1929
- Datierung
- 18.9.1929
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Rudolf Kayser von der ›Neuen Rundschau‹ gab ihm Kenntnis von W.s Brief in Sachen seiner Theaterrede. Bedauert, dass er W. in dieser Rede durch die eine oder andere Wendung getroffen und gekränkt habe. Seine Äußerungen in der Rede seien keineswegs als Polemik gegen W.s Aufsatz im ›Nationaltheater‹ beabsichtigt gewesen. Er habe nur an eine Stelle »dieser sehr hochstehenden Arbeit gedacht und einen Satz, ohne Namensnennung, aber in Anführungszeichen, daraus zitiert«. Dieses Zitat sei nur »Anhalt und Beispiel für jene tiefernste deutsche Theaterphilosophie« gewesen, die er »mit allem Respekt« in seinem Vortrag zu charakterisieren suchte. Man könne diesen Respekt nicht verkennen und auch keinen Spott und Angriff aus seinen Worten herauslesen. »Das Einzige, was ich einzuwenden hatte, war, daß die konservative Neigung, alles Profan-Gegenwärtige abzulehnen, durch diese Sphäre vielleicht zu weit getrieben wird und der Zeit nicht ganz ihr Recht läßt.« Wenn W. den Aufsatz noch einmal ansehe, werde er finden, dass er sich weder in seinem Gefühl für das Theater noch persönlich verletzt fühlen könne.
