Thomas Mann an Redaktion ›Pologne Littéraire‹, Warschau

Zeitraum
Mittwoch, 28. Mai 1930
Datierung
28.5.1930
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Dankt für die Einladung zur Warschauer Tagung des PEN-Clubs, möchte ein tiefes Bedauern, nicht daran teilnehmen zu können, nicht nur der Kongressleitung mitteilen, sondern wegen des tiefen Eindrucks von der Gastfreundschaft Polens vor drei Jahren auch einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis geben. In einer in der ›Neuen Rundschau‹ veröffentlichten autobiographischen Arbeit habe er der besonderen Wärme dieser Tage gedacht. Er möchte eine Feststellung über die heutige Lage des europäischen Schrifttums versuchen: der Schriftsteller stehe heute zwischen zwei Feuern. Die soziale Gewissensschärfe unserer Zeit bringe es dahin, in der Kunst vielfach einen individualistischen Müßiggang zu sehen. Auf der anderen Seite werde das Dichterische, die Seele, die man auf die apolitische Einfalt festlegen möchte, gegen Vernunft, Frieden und Einheit Europas ausgespielt. Die Kunst sei etwas unverlierbares Ganzes. Aber »wir schwören zum Geiste, wenn die Seele, in Unehre geraten, der Menschheit Schande zu machen droht, und wenn die Stunde nun aufruft, setzen wir unser Wort ein für Ziele einer anständigen Rationalität«.

Erwähnungen

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