Thomas Mann an Hans Ludwig Held
- Zeitraum
- Samstag, 1. März 1930
- Datierung
- 1.3.1930
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Hält sein Versprechen, H. seine Eindrücke über die beiden Bücher [von D. H. Lawrence und C. G. Jung] mitzuteilen, die er »pünktlich und folgsam« vor der Abreise bestellt und während der Nilfahrt bis Wadi Halfa und dem zweiten Katarakt gelesen habe. Beiden Büchern sei das »Fortentwickelt-Psychoanalytische« gemeinsam, man müsse feststellen, dass es ohne dieses Element nicht mehr gehe. Ihm sei die Art, wie D. H. Lawrence damit schalte, »momentweise« unangenehm, aber sie sei »amüsant, zivil und ganz legitim«. Lawrences kecker Konservatismus bleibe immer liebenswürdig, aber wenn er die Grenze zum »unaktzeptablen, Fascistischen« überschreite, werde er zu sorglos. Fühlt sich dann nicht mehr bei diesem Schriftsteller zu Hause wie etwa bei Carl Gustav Jung, »dessen große Einleitung zu dem ›Geheimnis der Goldenen Blüte‹ für mich das Buch selbst ist«. – Polemisiert gegen Ludwig Klages und »seine Bäumler«, die die Vereinbarkeit von Psychologie und Mythos in Frage stellen. – Von den Reiseeindrucken will er mündlich berichten. »Sie können sich denken, wie ich die Augen aufhalte!«
