Thomas Mann an Ida Herz

Zeitraum
Sonntag, 27. September 1931
Datierung
27.9.1931
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Es tut ihm leid, dass sie das letzte Mal enttäuscht von ihm wegging, weil sie keine Gelegenheit fand, mit ihm über ihre Lebensprobleme zu sprechen. Andererseits findet er, dass solche tiefgründige Erörterungen doch niemals völlig befriedigen; viel wesentlicher sei das einfache Zusammensein mit Menschen, zu denen man Vertrauen hat und aus ihrer Beständigkeit Mut zum eigenen Leben zu gewinnen. Wie er zu Tod und Leben stehe, wisse sie aus seinen Büchern, besonders aus dem ›Zauberberg‹, darüber hinaus mache er nicht gern Privatbekenntnisse. Glaubt nicht, dass sich jemand aus rein geistigen Gründen das Leben nimmt, sondern dass in solchen Fällen das Geistige immer mit einem Todesinstinkt zusammentreffen muss, der aus dem Organischen kommt. Ein solcher Fall scheine ihm bei ihr nicht vorzuliegen. – Schlägt ihr die Bitte, von einer ihr bekannten Künstlerin porträtiert zu werden, ab, da diese ein Bild von ihm heute ebenso schwer verkaufen kann, wie das irgendeines anderen Bürgers.

Erwähnungen

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