Thomas Mann an Max Brod

Zeitraum
Mittwoch, 21. Oktober 1931
Datierung
21.10.1931
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Dankt für das Geschenk des neuen Romans [›Stefan Rott oder Das Jahr der Entscheidung‹]. Glücklicherweise habe B., der seine Leseüberlastung anscheinend kenne, auf die wichtigsten Seiten hingewiesen, über die er sich äußern wolle, da sie für Deutschland lebensnotwendig seien. B. habe für das Verhältnis Deutschland und Frankreich die prägnante Formulierung der »Zweigleisigkeit« gefunden: Von dem Nebeneinanderwohnen dieser beiden Nationen hänge das Wohlverhältnis Europas ab. Während die eine Nation das rationale Erdenglück wolle, schwärme die andere in dunklen Worten von Schicksal, Dynamik, »Stirb und werde« und verlange dabei, dass die Franzosen abrüsteten. Das Seelenvolle, in Politik übersetzt, bedeute nämlich Krieg. »Solange sich die Deutschen nicht entschließen, – nicht etwa auf das Seelentum zu verzichten, sondern sich darunter ein zweites, rationales und soziales ›Geleise‹ anzulegen, das in die Welt führt, solange werden sie nicht durch die Welt kommen [...]«. Verspricht, bald den ganzen Roman zu lesen und sich mit B. über ihn gelegentlich seines Besuches in Prag zu unterhalten. Die ›Urania‹ habe ihn zu einem Vortrag eingeladen, und er hofft, dass diese Gelegenheit die persönliche Bekanntschaft mit ihm bringe. [Besuch fand erst im März 1932 auf Einladung des PEN-Clubs Prag statt.] Freut sich, dass ihm die bisher veröffentlichten Stücke aus dem Joseph-Roman gefallen haben. Es sei noch »une mer à boire«, denn »das Bildhafte und Dramatische ist mit Untersuchung durchsetzt, und es handelt sich eigentlich um eine Art von parodischer Mythen-Geschichtsforschung [...]«. Ist auf dessen Plato-Arbeit begierig.

Erwähnungen

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