Thomas Mann an Otto Grautoff
- Zeitraum
- Donnerstag, 28. März 1895
- Datierung
- ohne Datum [etwa 28.3.]
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Hat seine Novelle ›Der kleine Professor‹ vom ›Pan‹ zurückerhalten, sendet sie nun an die ›Moderne Kunst‹. – Die Vorstellung der ›Wildente‹ musste wegen der Universitätsferien auf Mai verschoben werden. – Beschäftigt sich eingehend mit G.s artistischen Beilagen«, einem Gedicht, dessen Schluss geändert werden muss, und der Studie ›Kindesschmerz‹: »Ich gratuliere Dir, daß Du das schreiben konntest«. Hatte ihm seine Gedichte übersandt, u.a. ›Romanze‹; bemängelt, dass G.s Lob zu stark und sein Tadel zu schwach sei. Schreibt häufig ins Tagebuch und arbeitet an seiner Bühnendichtung weiter. Bekam vor zwei Tagen überraschenden Besuch von seinem Schulkameraden Korfiz Holm, der viel aus Berlin zu erzählen wusste, u.a. von Maximilian Harden, und ihm »entzückte Complimente und Elogen« über ›Gefallen‹ machte. Ist jetzt entschlossen, in etwa fünf Monaten nach Berlin zu fahren. – Geht auf G.s Worte über ihr freundschaftliches Verhältnis ein und reflektiert seitenlang über die Lübecker Zeit, macht sich Vorwürfe, dass er G. wegen seines Umgangs mit den »sehr fashionablen und teilweise sogar begabten Fragen« links liegengelassen habe, aber trotzdem habe er ihn nötig gehabt: »Wir waren wirklich intim [...] Wir verstanden uns bis in alle Finessen.« – Überspielt G.s Bedenken wegen des geplanten Besuches bei ihm in Berlin oder Brandenburg. Rät ihm dringend ab, in eine Lübecker Buchhandlung einzutreten.
