Thomas Mann an Alexander Moritz Frey
- Zeitraum
- Donnerstag, 6. Juli 1933
- Datierung
- 6.7.1933
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Zu den von F. übersandten »feinen Prosastücken«: Hatte seine Freude »an der Reinheit ihrer Form und einer Betrachtungsweise, deren Geistigkeit oft leise und reizvoll ins Geisterhafte hinüberspielt«. – Hofft, dass Österreich seinen Widerstand durchhält. – Hat das erste Heft des ›Neuen Tagebuch‹ bekommen, ist leicht enttäuscht, denn Leopold Schwarzschild hätte in Deutschland bessere Nummern herausgebracht. Ist überhaupt skeptisch gegen die Emigrantenliteratur, obwohl er glauben sollte, dass sich das deutsche Geistesleben mit seinen besten Vertretern in Zukunft außerhalb der Reichsgrenzen abspielen wird. Sieht vorläufig nur Ressentiment-Journalistik. Sein persönliches Wunschbild ist die Existenz Hermann Hesses in Montagnola, »sein gelassenes, nicht verbissenes Außensein, seine entschiedene Desinteressiertheit am Politisch-Deutschen und seine Traditionsverbundenheit mit dem geistigen Volk«. – Hans Pfitzner sei in der ›Frankfurter Zeitung‹ auf den ›Protest der Richard-Wagner-Stadt München‹ zurückgekommen, was von schlechtem Gewissen zeuge. Er werde darauf antworten. – Sein Wagner-Aufsatz sei in Frankreich als Broschüre erschienen, während Bermann Fischer mit der Buchveröffentlichung wegen der vorrangigen Herausgabe der ›Geschichten Jaakobs‹ noch zögere. »Es ist ein Problem mit diesem Verlag und meinem Verhältnis zu ihm. Aber darüber kann ich mich nicht verbreiten.«
