Thomas Mann an Hedwig Fischer
- Zeitraum
- Donnerstag, 12. April 1934
- Datierung
- 12.4.1934
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt F. für zwei Briefe. Über den ersten mit ihren Worten »von soviel Empfänglichkeit und Verständnis« für den Joseph-Roman hat er sich sehr gefreut, mit dem zweiten, sicher gut gemeinten, kann er nicht viel anfangen. Seiner Tochter Erika, einer Frau von ungewöhnlicher Intelligenz und starkem Charakter, die mit ihrer Produktion viele Herzen gewinne und deren Gesinnung er hochachte und auch teile, könne er sich nicht in den Weg stellen. Es sei ihm unmöglich, sich öffentlich von ihr loszusagen. Dasselbe gelte für seinen Sohn Klaus und seinen Bruder Heinrich. »Mir das Verlangen zu stellen, ich möchte all die Meinen verleugnen, nur um es diesem schändlichen Unheilsstaat recht zu machen, wäre doch übertrieben.« Wegen der ›Pfeffermühle‹ also wolle man ihm weiterhin sein Eigentum vorenthalten. Äußert sich über den Charakter dieses Kabaretts, das schon wegen seines Auftretens in einem Gastland sich einer gewissen politischen Zurückhaltung auferlegen müsse. Er teile F.s Sorge um die Zukunft seines Werkes nicht. Er traue diesem ein längeres Leben zu als »dem gegenwärtigen Spuk in Deutschland, auch wenn es dort verboten werde«. Gewiss gehe die Warnung von Gottfried Bermann Fischer aus. »Sagen Sie ihm nur, daß meine innere Ruhe gesicherter wäre, und dass ich der Nachwelt gegenüber, die mir mein Schweigen vielleicht nicht verzeihen wird, ein besseres Gewissen hätte, wenn ich mich von der Rachelaune der gegenwärtigen deutschen Machthaber überhaupt unabhängig gemacht und mein neues Buch einem der auswärtigen Verleger gegeben hätte, die sich darum bewarben. Was soll denn auch Deutschland in seinem jetzigen Geisteszustand damit anfangen?« Hofft auf ihr Verständnis bei einem vorgesehenen Besuch, wobei er auf eine kurze Abwesenheit wegen eines Vortrags hinweist.
