Thomas Mann an Erika Mann
- Zeitraum
- Donnerstag, 23. Januar 1936
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Nimmt ausführlich Stellung zu Erikas Anschuldigungen gegen Bermann Fischers und seine eigene Haltung zum Nationalsozialismus. Verteidigt Bermann Fischer, der von Schwarzschild im ›Neuen Tage-Buch‹ heftig angegriffen und »als Göbbels [!] Spitzel und als Agent des Dritten Reiches ins Ausland geschickt« hingestellt wurde. Rechtfertigt sein eigenes Verhalten gegenüber Nazi-Deutschland und erklärt, dass er seit Monaten schon versucht habe, eine »Kampf- und Zeit-Schrift« zu verfassen. Aber »es ging nicht, es sollte nicht sein – vielleicht *noch* nicht. Man muß Geduld mit mir haben [...] Der Tag mag kommen, möge kommen, wo ich, ungehemmt von Vollständigkeitswahn, die Welt und die Deutschen selbst aufrufe und sage: Es ist genug, macht Schluß, fort mit dem Gesindel. Vielleicht durfte das nicht zu früh geschehen – vor allem der Deutschen wegen nicht, die erst durch Erfahrung reif dafür gemacht sein und von sich aus danach *verlangen* müssen.« [Wenige Tage später, am 3. Februar 1936, erschien in der ›Neuen Zürcher Zeitung‹ Thomas Manns Offener Brief an Eduard Korrodi, worin er endgültig mit dem nationalsozialistischen Regime bricht. Vgl. auch ›Tagebücher 1935-1936‹. Frankfurt am Main 1937, S. 244-247 und 566-569].
