Thomas Mann an Hugo Siebenschein

Zeitraum
Sonntag, 31. Mai 1936
Datierung
31.5.1936
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Dankt für S.s Buchgeschenk, das eine wissenschaftliche Zierde seiner neu aufgebauten Bibliothek bilden wird, nachdem ihm seine in Deutschland befindliche geraubt worden ist. Hat sich mit dem Buch, das eine große Gelehrsamkeit und Belesenheit auf seinem speziellen Gebiet zeigt, in den letzten Tagen viel beschäftigt. Für ihn als Kaufmannssohn, der in den ›Buddenbrooks‹ gelegentlich den Geschäftsstil nachzuahmen versuchte, war die »spezielle Sphäre in der sprachlichen Kommunikation« in S.s Buch besonders interessant. Auch freute es ihn, dass S. Lübeck in der »baulichen Typik des Kaufmannshauses« mit Venedig verglich, da er »Venedig immer als eine zweite, ins Morgenländische verzauberte Heimat empfunden habe«. Stellt auch eine merkwürdige Verwandtschaft zwischen dem Lübecker Rathaus und dem Dogenpalast in Venedig fest. Außerdem heiße das Marzipan eigentlich ›Panis Marci‹ und stamme aus Venedig. – Äußert sich zu einigen stilistischen Fragen. Das Weglassen des ›ich‹ finde man in Briefen oft, häufig bei Goethe. Die Version »gefällige Offerte« finde er nicht übel, er habe auch nichts gegen »Ihr freundlicher Brief«. Öffentlich möchte er sich aber über das Buch nicht äußern, es liege doch sehr »außerhalb meiner Kompetenz der Bereiche, in denen ich allenfalls mitreden darf«. Steht außerdem vor einer Reise und möchte in den nächsten Wochen den dritten ›Joseph‹-Band abschließen.

Erwähnungen

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