Thomas Mann an Hermann J. Weigand
- Zeitraum
- Donnerstag, 18. November 1937
- Datierung
- 18.11.1937
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für die Studie über ›Joseph in Ägypten‹, lobt die lebendige Art von W.s Kritik, auch im Ablehnenden: »Nun, in dieser Hinsicht geht es ja schonend zu in Ihrer Betrachtung, und ich habe überall, wo es kritisch im schärferen Sinn des Wortes zuging, immer schmunzelnd zustimmen können, nicht nur, weil ich mit Ihnen in der Sympathie mit der Wahrheit und Erkenntnis übereinstimme, sondern sogar, drolliger Weise, weil ich zudem noch eine gewisse Art durchschauender Kritik wiedererkannte und auf mich angewandt fand, die ihre Herkunft aus meiner eigenen Sphäre und Schule nicht verleugnet.« Vergleicht das Übergreifende der vier Teile mit der Einheit des ›Rings‹ und begrüßt die von W. festgestellte Verwandtschaft mit der Musik. Kommentiert die Gestalt des Engels Gabriel, die er zum Teil dem Hermeshaften angenähert haben will. Meint zu der Beziehung Josephs zu Klaus Heinrich: »Sehr amüsant war mir Ihre Erinnerung an ›Königliche Hoheit‹. Ich hatte diese Beziehung selbst noch nie aufgefaßt, kann sie aber nicht leugnen und mich auch nicht über sie wundern, da gerade meine jugendlichen Helden alle ein wenig ein und desselben Geblüts sind.« Findet im Gegensatz zu W., dass die Leidensgeschichte Mut-em-enets »doch einige Rührung mit sich bringt«. Teilt W.s Meinung in Bezug auf das Gewicht der sprachlichen Leistung: »Dieser Band wenigstens ist mir im Laufe der Arbeit dann tatsächlich in erster Linie zum Sprachwerk geworden. Nicht umsonst habe ich dabei so viel im Faust gelesen, und es ist sprachlich wohl wirklich zu einer Art von Zuspitzung und Vielschichtigkeit gekommen, die jedenfalls nur die Sache höherer Jahre sein kann, wenn auch noch nicht gerade ein Anzeichen von Sklerose.« – Regelt das Programm für die geplanten Vorträge in Yale und Middletown und nimmt W.s Einladung zum Übernachten dankend an.
