Thomas Mann an Ferdinand Lion

Zeitraum
Dienstag, 7. Dezember 1937
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Über Redaktionsangelegenheiten der Zeitschrift ›Mass und Wert‹: Will auf L. keinen Druck ausüben, wenn er gegen Franz Blei eine Antipathie hat. Empfiehlt ihn nur deswegen, weil die Auswahl guter Autoren nicht sehr groß ist. Schlägt vor, Grete de Francescos ›Macht des Charlatan‹ ebenso zu besprechen wie René Schickeles ›Flaschenpost‹, Ernst Weiß‹ ›Verführer‹ und den ›Henri Quatre‹ seines Bruders, sobald der zweite Band erschienen ist. Hat Ödön von Horváths ›Jugend ohne Gott‹ gelesen; es sei zwar nichts Bedeutendes, habe aber »große Unterhaltungskraft«. Lehnt die Besprechung seines ›Felix Krull‹ ab, ebenso eine Betrachtung über die ›Betrachtungen eines Unpolitischen‹, da es geschmacklos sei, wenn er als Herausgeber in seiner eigenen Zeitschrift gelobt oder getadelt werde. Empfiehlt L., weitere Beiträge von Ernst Feder anzunehmen, denn seinen Aufsatz über Gustav Stresemann habe er nicht »als ein Trostsprüchlein für Emigranten« empfunden, sondern als die Erinnerung an einen Mann, der »die seltene oder einmalige Erscheinung einer Entwicklung aus dem bürgerlichen Nationalismus und Imperialismus der wilhelminischen Epoche ins Europäisch-Pazifistische bietet«. Schickt L. eine von A. V. Thelen übersetzte Novelle des Holländers Hendrik Marsman, die er nur bedingt empfehlen könne. Von Wilhelm Herzog hätte er einen Vorabdruck aus seinem ›Barthou‹-Buch gesehen, hält aber wegen der Deutschfeindlichkeit des Autors, die sich die Zeitschrift nicht erlauben könne, eine Aufnahme nicht für opportun. Empfiehlt dagegen die kleine Mozart-Studie von Müller-Zürich, die wegen des Freimaurer-Themas eine gewisse Aktualität besitze. Liest eben, wie er im Nachsatz schreibt, »nicht ohne Bewegung«, den Paulus-Essay des Portugiesen J. Texeira de Pascoaes, den ihm Thelen schickte; L. könne daran seine »Kürzungskünste« bewähren lassen. Hofft auf weitere Gespräche mit ihm in Arosa.

Erwähnungen

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