Thomas Mann an Gottfried Bermann Fischer
- Zeitraum
- Freitag, 8. April 1938
- Datierung
- 8.4.1938
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt B. F. für die Nachricht, dass Reisiger wieder auf freiem Fuß ist. Berichtet von dem großen Erfolg seiner Vorlesungen und von dem künstlerischen Erfolg von ›Joseph in Ägypten‹. – Nach dem Fall Österreichs, der sicher für die Schweiz nicht ohne Folgen bleiben werde, habe er sich vor acht Tagen entschlossen, nicht nach Europa zurückzukehren und sich mit den Seinen in einer kleinen Universitätsstadt im Osten der USA niederzulassen. Seine Tochter Erika werde den Küsnachter Haushalt auflösen. Rät B. F. dringend davon ab, sich in Amerika niederzulassen. Seine Politik, so lange wie möglich in Deutschland zu bleiben und der Charakter von B. F.s Wiener Verlag hätten ihm in den USA den Boden in sehr negativer Weise vorbereitet. Es sei ein naheliegender Gedanke, in Amerika den großen deutschen Emigrationsverlag zu gründen. Das müsse aber ein eingeführter, bekannter amerikanischer Verlag tun, und da denke er zuerst an seinen Freund Alfred A. Knopf, der sich in geradezu enthusiastischer Weise für seine Arbeit eingesetzt habe. Rät B. F., den Beruf eines Verlegers aufzugeben und wieder zu seinem ursprünglichen Beruf als Arzt zurückzukehren.
