Thomas Mann an Agnes E. Meyer
- Zeitraum
- Montag, 30. Mai 1938
- Datierung
- 30.5.1938
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Hat die Princetoner Professur angenommen. Berichtet vom Leben auf der Insel. Erwägt Europareise. Über die politische Weltlage, die sich etwas aufgehellt habe, aber höchst problematisch bleibe. – Beantwortet Fragen über den ›Tod in Venedig‹ für M.s Studie. Sagt von Aschenbach, dass dieser ein Künstlergeist sei, »den aus dem Psychologismus und Relativismus der Jahrhundert-Wende nach einer neuen Schönheit [...], einer neuen Entschlossenheit nach der Absage an den Abgrund und nach einer neuen menschlichen Würde jenseits der Analyse und selbst der Erkenntnis verlangt. Das waren Tendenzen der Zeit, die in der Luft lagen, lange bevor es das Wort ›Fascismus‹ gab, und die in der politischen Erscheinung, die man so nennt, kaum wiederzuerkennen sind.« Diese Tendenzen hatte er so gut wie irgendeiner in sich, hat sie darstellend hier und da verwendet, zum Beispiel auch in der ›Fiorenza‹-Formel von der »wiedergeborenen Unbefangenheit«.
