Thomas Mann an Karl Barth
- Zeitraum
- Dienstag, 1. November 1938
- Datierung
- 1.11.1938
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Hatte während seines kurzen Besuches in Europa den Versuch unternommen, in einigendem Sinn auf die Vertreter der verschiedenen Oppositionsparteien einzuwirken. Die Kräftezersplitterung der deutschen Opposition innerhalb und außerhalb Deutschlands sei ein Gegenstand ernster Besorgnis für jeden, »der in Hitler und der Ausbreitung seiner Herrschaft über Europa die Lebensgefahr für Kultur und Civilisation erblicke«. Daher habe er sich bereit erklärt, diese Kräftezersplitterung zu steuern. Von englischen Freunden sei ihm »eine nicht unerhebliche Summe« zur Verfügung gestellt worden, um den Kampf gegen Hitler zu intensivieren. Am 16. September habe in Paris eine Sitzung stattgefunden, zu der er Politiker der verschiedensten Richtungen eingeladen hatte. Zu diesem Koalitionsausschuss hätten sich besonders Männer eingefunden, die in erreichbarer Nähe von Paris wohnten und die zu regelmäßigen gemeinsamen Beratungen zusammenkommen wollten. Zu seinem Leidwesen seien außer den Katholiken, Deutsch-Nationalen, Kommunisten und Sozialdemokraten verschiedenster Schattierung keine Vertreter der Protestanten und der bürgerlichen Demokraten erschienen. Daher bitte er B., dem Koalitionsausschuss beizutreten oder einen Vertreter namhaft zu machen. Er denke dabei an Dr. Fritz Lieb. Hofft auf B.s Zusage und erinnert ihn an ihr »nur flüchtiges Zusammentreffen« in Basel.
