Thomas Mann an Käte Hamburger
- Zeitraum
- Donnerstag, 7. März 1940
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
H.’s Aufsatz, der zugleich mit einem Brief Ernst Cassirers eintraf, sei das bedeutendste Dokument in seiner Sammlung der Besprechungen über ›Lotte in Weimar‹. Diese sei ein Roman, »eine ›Dichtung‹ gar, und nicht nur eine philologische Kompilation«. Ihr Vergleich mit dem ›Joseph‹ sei sehr richtig; ohne die lange mythische Schule, die er durchgemacht habe, hätte er sich nicht in das »Abenteuer des Goethe-Mythos« stürzen können. Die Voraussetzungen, mit denen das Buch, besonders das ›Siebente Kapitel‹, belastet sei, bilde einen künstlerischen Eindruck dagegen. Er habe in der Vorstellung gelebt, es gäbe Stoffe, »bei denen Voraussetzungen erlaubt seien«. In einer Luzerner Kritik schrieb einer, seit den Indianergeschichten seiner Knabenzeit habe er kein Buch mehr so verschlungen. Ein Beweis, dass ›Lotte in Weimar‹ ein aufregender Roman sei. – Kommt gerade von einer Vortragsreise bis ins innerste Texas zurück und bereitet sich jetzt wieder für seine Vorlesungen bei den »Princeton Boys« vor. Seine indische Novelle, eingeschoben zwischen ›Joseph IV‹, muß warten. – Die Verhältnisse in Amerika würden immer schwieriger. Vergebens hätten sie sich bemüht, ihre in London lebende Tochter Monika und Mann, einen Kunsthistoriker, durch irgendeine noch so bescheidene Berufung herüberzubringen.
