Thomas Mann an Martin Beheim-Schwarzbach
- Zeitraum
- Freitag, 3. Mai 1940
- Datierung
- 3.5.1940
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Ist so gerührt und angetan von B.’s Brief über ›Lotte in Weimar‹, dass er ihn am liebsten sofort beantwortet hätte, wenn ihn nicht »ein gesellschaftlich anspruchsvoller week end trip nach Washington« einige Tage davon abgehalten hätte. Will dieses »Glanzstück« einer warmherzigen und spontanen Äußerung seiner kleinen Kollektion von Dokumenten über den Roman hinzufügen; hat »aus guten und teilweise kläglichen Gründen« diese Sammlung angelegt, in der viel Erfreuliches darunter sei, vor allem aus der Schweiz, aus der jemand geschrieben hatte, er habe das Buch wie die Indianergeschichten seiner Knabenzeit verschlungen. Dies weise auf ein Element des Aufregenden hin, das »der Konzeption angehörte und sich gegen alle Langweiligkeiten der Ausführung durchgesetzt zu haben scheint«. Es sei das Aufregende, das in der Realisierung des Mythos liege, worin er sich in drei Joseph-Bänden geübt habe, ehe er sich an den Goethe-Mythos heranwagen konnte. – Spricht von der amerikanischen Neutralitätspolitik, die er für kurzsichtig und egoistisch hält und die sich nach der skandinavischen Invasion durch die Deutschen hoffentlich ändern wird. – Erwartet den Band Erzählungen von B.-S., den G. Bermann Fischer schon angekündigt hat.
