Thomas Mann an Frank Kingdon
- Zeitraum
- Montag, 11. November 1940
- Datierung
- 11.11.1940
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Stimmt mit K. überein, dass das New York Dinner [zu Ehren des 'American Emergency Rescue Committee‹] gut gelungen sei, was er teils K.’s Sponsoren-Tätigkeit, teils dem Eindruck von dessen Persönlichkeit zuschreibe. Will weiterhin gern mit ihm zusammenarbeiten und hofft, dass er auf der Versammlung in Chicago von einigem Nutzen sein könne. Weist K. auf einige Fälle hin, in denen die Organisation des Committee versagt hat. Der Fall seines Schwagers Peter Pringsheim, der alle Papiere und das von der Familie Mann überwiesene Geld für die Überfahrt besitzt, sei trotz seiner Dringlichkeit verschleppt worden, da statt des Telegramms nur ein Luftpostbrief an den portugiesischen Konsul abgesandt worden sei. Im Falle Alfred Neumanns hätten 80 Dollar für die Überfahrt gefehlt. Trotz Hermann Kestens Bemühen und Bitten beim Committee verzögerte sich die Überweisung dieses Betrages. Der Fall der Schriftstellerin Victoria Wolf sei nicht vorangekommen, weil das Empfehlungsschreiben seiner Tochter Erika auf deutsch abgefaßt war. Obwohl Mr. Hagen und Miss Warburg vom Committee des Deutschen mächtig waren, wurde dieser Fall nicht weiter behandelt. Hat daher den Eindruck, dass diese »unsere Fälle« nachlässiger vom Committee bearbeitet worden seien. Er möge nicht mißverstanden werden und wisse die Schwierigkeiten, unter denen das Committee arbeite, wohl zu schätzen. Er wäre dankbar, wenn die von Hermann Kesten oder ihm vorgetragenen Fälle in gleicher Weise bearbeitet würden. Sonst bitte er um Mitteilung, aus welchen Gründen sie nicht die Unterstützung des Committee fänden.
