Thomas Mann an unbekannt [eine Redaktion?]
- Zeitraum
- Montag, 7. März 1910
- Datierung
- 7.3.1910
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Äußert sich über den Schriftstellerstand, den es in Deutschland erst seit 30, 40 Jahren gebe und der hier nie so heimisch werden könne wie in Frankreich. Den Deutschen sei »eine gewisse Litteratur-Fremdheit, ja, -Feindschaft« eingeboren. Das spüre man besonders in München, »deren geistige Kultur die eines Bräuknechtes« sei. In Berlin sei es besser, »weil Helligkeit, Witz und jederlei Kulturstreben, vor Allem aber der jüdische Geist, den Gott erhalte, ihm dort entgegenkommen«. Befasst sich ausführlich mit dem Begriff »Litterat« und führt Äußerungen bekannter Dichter und Künstler an. Spricht über den Gegensatz Dichter–Schriftsteller und führt Gedanken vor, die er in seinem Fragment ›Geist und Kunst‹ dargelegt hatte. Auch der materielle Wohlstand eines Künstlers würde ihm nicht die gebührende Achtung der Umwelt bringen. »Was helfen könnte, sind die offiziellen Ehrenzeichen, die der Bürger sehen will, bevor er achtet, sind Ordenssterne, Professorentitel, Palmenfräcke, Akademie-Fauteuils.« Der Traum einer ›Deutschen Akademie‹ würde »die Ehrfurcht vor der Sprache, die Geltung des Geistes, die gesellschaftliche Stellung des Schriftstellers erhöhen«.
