Thomas Mann an Conrad Woelfel, German-American Congress for Democracy, New York
- Zeitraum
- Samstag, 6. September 1941
- Datierung
- 6.9.1941
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Konnte W.s Brief vom 25.8. nicht beantworten, bevor die Konferenz des kalifornischen Chapter stattgefunden hatte. Sie habe gestern getagt, und er müsse W. mitteilen, dass keiner ihrer Mitglieder den Argumenten folgen konnte, mit denen sich W. der vorgeschlagenen Änderung des Textes auf dem Verpflichtungsschein widersetzte. Es sei entschieden ungerechtfertigt, die Erklärung, dass der Hitlerismus die verwerflichste Verkörperung des totalitären und antihumanen Geistes sei, so zu interpretieren, dass sie damit eine Sympathie-Erklärung für andere Formen des Totalitätsgedankens sei. Die praktische Situation in der Welt habe sich grundlegend seit Deutschlands Einmarsch in Russland geändert. Heute sei Russland der militärische Verbündete von England, und Churchills Rede, in der er Hitlers Lüge von dem Kreuzzugsgedanken gegen den Bolschewismus entlarvte, sei von der amerikanischen Regierung auch für dieses Land als gültig erklärt worden. Daher müsse man es als eine Taktlosigkeit bezeichnen, die russische Regierungsform mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen. Als deutsche oder gar als liberale Demokraten deutschen Ursprungs bekämpften sie in Hitler den Hauptfeind, wie auch die Mazzini-Gesellschaft den italienischen Faschismus bekämpfe und nichts sonst. Bittet W., dem Text des kalifornischen Verpflichtungsscheines, wie Mr. Schueck ihn aufgesetzt hat, seine Zustimmung zu geben.
