Thomas Mann an Ida Boy-Ed
- Zeitraum
- Dienstag, 28. Juni 1910
- Datierung
- 28.6.1910
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für das Geschenk ihres neuen Romans ›Ein königlicher Kaufmann‹ und beglückwünscht sie herzlich zu dieser »imposanten« Leistung. Er atmete Heimatluft, während er ihn las, aber die Luft einer neuen Heimat, mit erweitertem Horizont, »einer Heimat, auf die man stolz sein darf. [...] Mich als Hanseat zu fühlen, habe ich niemals aufgehört.« Sein hanseatischer Roman sei am Ausgang von Jahrzehnten der Misere entstanden und deshalb nicht weniger wahr. Bewundert an ihrem Roman besonders »die Studiertheit und Beherrschung des Kaufmännischen«, denn eine der Schwächen seines Romans sei, dass das Kaufmännische darin zu kurz kommt. – Sie würden längst auf dem Lande sein, aber ein Familienereignis habe sie in der Stadt festgehalten: vor vier Wochen sei seine Frau von einem Töchterchen entbunden worden; es sei der vierte Spross »und nun wolle Gott nicht, daß es noch mehr werden«. Der ländliche Frieden solle einer Arbeit zugute kommen, »einer heiklen Sache: Memoiren eines Hochstaplers«. Hofft, sie im Sommer wiederzusehen, vielleicht bei einer Reinhardt-Premiere im Künstlertheater.
