Thomas Mann an Agnes E. Meyer
- Zeitraum
- Montag, 16. Februar 1942
- Datierung
- ohne Datum [Poststempel: 16.2.1942]
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
»Ein Wort des Gedenkens« aus dem neuen, noch nicht fertigen Haus. Hat selbst in der Münchener Villa, die »ein üppigeres Format« hatte, nicht so schön gewohnt wie »im Elend, ich meine im Ausland, denn das ist ja im Deutschen dasselbe Wort«. Es wird wegen des deutschen Dienerpaares fast nur deutsch im Haus gesprochen, er genießt andererseits den Umgang mit Amerikanern, wie dem retirierten Universitätsrektor Prof. Rieber und dessen Frau, einer Malerin, oder mit den Lunch-Gästen des Rotary-Clubs West Los Angeles, denen er einen halbstündigen Vortrag hielt. Ist über die Pressehetze gegen die ›enemy aliens‹ verärgert, zu denen er selbst wegen seiner tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft nicht gehört. Hat deshalb zusammen mit Toscanini, Borgese, Einstein und Bruno Walter ein Telegramm an den Präsidenten gesandt, der dahin wirken möge, dass zwischen den ›Fifth Columnists‹ und den bewährten Gegnern der Feinde Amerikas unterschieden werde [s. Telegramm vom 9.2.1942]. Ist mit der augenblicklichen Kriegsführung sehr unzufrieden, sieht besonders in den englischen Ministerien zu viel »Halb-Appeaser« sitzen, die den deutschen Gegner falsch einschätzen. Ihm sei zumute wie damals zur Zeit von ›München‹, als er ›Dieser Friede‹ schrieb. Er weiß, dass sie solche Dinge nicht gern hören mag, und erzählt ihr zum Schluss den Inhalt des Kapitels seines Romans, an dem er gerade arbeitet: Josephs Brüder sind im Land Ägypten.
