Thomas Mann an Redaktion Tass, Telegraph Agency of the USSR, New York Bureau, New York City
- Zeitraum
- Montag, 15. Juni 1942
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Der 22. Juli 1941, der Jahrestag des Eintritts der Sowjetunion in diesen Freiheitskampf der Völker, werde für die ganze Menschheit ein denkwürdiger Tag sein. Mit ganzem Herzen bewundere er den erfolgreichen Widerstand der russischen Armee und der russischen Nation gegen den rücksichtslosen Eindringling. Leider müssten sie fürchten, dass der Krieg noch lange währen werde und die Opfer noch schrecklich sein werden, aber die materielle Hilfe, die die demokratischen Mächte des Westens Russland in seinem Kampf zur Verfügung stellten, würden sich im Lauf der Zeit vermehren; niemand werde aufhören, an den Sieg zu glauben. – In den Jahren vor dem Krieg habe Russland einen kulturellen und industriellen Aufschwung genommen, wie ihn die Welt selten erlebt habe. Es sei eines der größten Verbrechen Deutschlands, diese Entwicklung durch den Angriff auf dieses Land zu unterbrechen. Er schreibe dies unmittelbar nach den anglo-amerikanisch-russischen Vereinbarungen, die das Versprechen enthielten, dass Russland nach dem Krieg in Zusammenarbeit mit den Westmächten seine unterbrochene Aufbauarbeit wieder aufnehmen könne. Er sei ein alter Mann, aber nichts ersehne er mehr, als den Tag noch zu erleben, »when every-where the bells will toll the glasses ring and people embrace each other the call: ›The monster is prostrate, the world is free a new life and a new happiness can begin!‹«
