Thomas Mann an John T. Frederick, Medill School of Journalism, Northwestern University, Chicago

Zeitraum
Montag, 2. November 1942
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Bedauert sehr, bei F.s Besprechung von ›Order of the Day‹ im Rundfunk nicht dabeisein zu können, um als Autor einiges zu den Worten des Kritikers hinzuzufügen, wie sie es bei früheren Sendungen gehandhabt hatten. Hofft, bei der Diskussion des letzten Bandes des Joseph-Romans wieder dabeizusein. Erläutert F., warum er diese Sammlung politischer Reden und Aufsätze aus zwei Jahrzehnten zusammengestellt hat, da ja sein eigentlicher Beruf nicht der eines Politikers sei. Aber die aufregenden Ereignisse unserer Zeit zwingen jeden kritischen Teilnehmer, einen Standpunkt einzunehmen. So sei auch er von seiner künstlerischen Arbeit hinweggerufen, um seine Überzeugung darzustellen. – Knüpft an die Tatsache an, dass F.’s Radiosendung am 11. November stattfinde, dem Tag des Waffenstillstandes 1918, Gedanken über die Schuld der Völker an den beiden Kriegen an: »I am still inclined to believe that the *guilt* for that fact that all had to come as it has come, is universal, allembracing.« Erklärt dies aus dem Verfall der Religiosität, sowohl in Amerika wie in Europa. »Foolish disobedience to the spirit, or religiously speaking, to God’s will, is undoubtedly the true cause for the world explosion which stuns us.« Nach diesem Krieg, der nur eine Fortsetzung des vorigen sei, werde die Menschheit mehr Weisheit zeigen, mehr Gehorsam gegenüber der Forderung der Weltstunde. Unsere Kinder würden dann in einer Welt glücklicheren Ausgleiches von Geist und Wirklichkeit leben. Der künftige Waffenstillstand werde dann kein Waffenstillstand bleiben, sondern der Vorläufer eines wirklichen Friedens.

Erwähnungen

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