Thomas Mann an Kurt Wolff
- Zeitraum
- Mittwoch, 20. Januar 1943
- Datierung
- 20.1.1943
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für das George-Buch und dafür, dass W. ihn zu einem der ersten Empfänger dieses »edlen Erstlings« aus seinem neuen Verlag machte. »Ich habe viel, mit eigentümlichen Empfindungen, darin gelesen. Es ist eine merkwürdige und charakteristische, mit unserem ganzen Schicksal übereinstimmende Erfahrung, dies rührend strenge Vermächtnis in der Sprache wieder zu lesen, an die wir Ohr und Mund nun gewöhnen.« Ohne die Verpflanzung in ein anderes Land wäre ein solches Buch kaum zustande gekommen: es sei »ein schönes Geschenk des ausgewanderten deutschen Geistes an eine Welt, die von diesem sehr hohen Stück Deutschtum bisher wenig wußte.« Alles, was Liebe in diesem stolzen und priesterlichen Gemüt war, sei vorhanden, »das Natursüße, der Walther von der Vogelweide-Klang«; das »Herrisch-Herbe und Unerbittliche« werde nicht verleugnet. Ebenso sei die Übersetzung neben dem deutschen Text zu loben. Namentlich die »rhythmische Anschmiegsamkeit« sei bewundernswert. »Die Deutschen haben es immer gut verstanden, sich das Fremde anzueignen. In der Diaspora fangen sie an, das Deutsche der Welt zu übereignen, und auch das machen sie gut.«
