Thomas Mann an William D. Greer, Editor of ›Fortune‹, New York
- Zeitraum
- Samstag, 3. April 1943
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Beglückwünscht G. zu dem Artikel Raymond Leslie Buells ›Draftmen of the New World‹ in der ›Fortune‹. Er zeigte mit wünschenswerter Klarheit die Tendenzen, Hoffnungen und Wünsche auf, die heute schon mehr oder weniger allen Nachkriegsplänen ähneln: die Übereinstimmung in der Notwendigkeit, eine Weltorganisation zu schaffen, die auf der Zusammenarbeit aller unabhängiger Staaten beruht, die freiwillig bereit sind, Teile ihrer Souveränität aufzugeben; die Übereinstimmung in der Schaffung einer europäischen Konföderation innerhalb des Rahmens der neuen Weltorganisation, ein vereintes freies Europa, das vom Nationalismus entbunden ist. Er selbst habe solche Ziele in einer Rede zum Ausdruck gebracht, die in ›Atlantic Monthly‹ veröffentlicht wurde. Buells Überblick über die Friedensplanungen sei aber nicht vollständig. Er lasse bestimmte Tendenzen außer acht, wie z.B. die Gedanken einer Gruppe, die hoffe, dass Deutschland und Rußland sich gegenseitig zu Tode bluten und dass am Ende Amerika als die alleinige siegreiche Macht dastehe und einen nur ihren Interessen dienenden Frieden diktiere. Andere wünschten die Auflösung und Beerbung des Britischen Weltreiches und die Beherrschung aller angelsächsischen Mächte. An solche Tendenzen habe er nicht gedacht, als er den Ausdruck ›Americanization of the World‹ in einer kürzlich gehaltenen Rede gebracht habe und wofür er von Pearl S. Buck streng verwarnt wurde. Verteidigt des längeren diese Formel mit dem Hinweis, er habe als Europäer gesprochen, der Erfahrungen mit den geistigen Wurzeln des Nationalsozialismus habe und der habe feststellen können, dass in Amerika diese Zeittendenzen nicht vorhanden seien. Ist mit Buell der Ansicht, dass Amerika aus diesem Krieg mit einem beträchtlichen Machtzuwachs herauskommen werde, mit dem man leben könne, was mit einer deutschen Machtausübung unmöglich wäre.
