Thomas Mann an Agnes E. Meyer

Zeitraum
Mittwoch, 21. Juli 1943
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

M. möge nicht auf Alfred Knopfs »ingeniöse« Idee eingehen, die Übersetzung seines nächsten Romans zu übernehmen. Obwohl alle Voraussetzungen bei ihr am besten erfüllt seien, denke er noch gar nicht an eine Übersetzung, da »der Roman für mich mehr ein privates Abenteuer als eine öffentliche Angelegenheit [sei]«. Wenn er auch schon im VII. Kapitel stehe, so sei das Hauptproblem, seinen »Helden« als Komponisten in die zeitgenössische Musik einzugliedern, noch gar nicht gelöst. – Hat einen Artikel aus der ›Washington Post‹ von Tyrnauer erhalten, in dem dieser den Gedanken aufwirft, ihn zum Staatspräsidenten eines neuen Deutschland zu machen. Seine Antwort an den Verfasser sei gewesen, dass »nur unter stärkstem Druck [...] ich mich jeweils dazu verstehen würde, eine politische Rolle zu spielen und mir selbst dabei bewußt [sei], das schwerste Opfer zu bringen«. Außerdem habe »Washington« mitzusprechen, für das er ein »premature anti-fascist« sei, den man in diesem faschistischen Zeitalter gar nicht gern sehe. Legt als typisches Zeichen solcher Stimmung einen Artikel mit dem Titel: ›Urges U.S. Unfit be Sterilized‹ bei. – Hört zu Hause wundervolle Kammermusik von den Musikern des San Francisco Symphonie Orchesters, dem Geiger Temianka, dem Cellisten Vandenburg; noch immer stehe er unter dem Eindruck des langsamen Satzes ›Dankgebet des Genesenden‹ aus einem späten Beethoven-Quartett von »geisterhafter Genialität«.

Erwähnungen

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