Thomas Mann an Agnes E. Meyer
- Zeitraum
- Sonntag, 14. Mai 1944
- Datierung
- 14.5.1944
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Ist mit Arthur Rubinstein seit dessen letztem Konzert in Westwood enger bekannt geworden: »Das ist ein glücklicher Mann, als Virtuose etwas zu überpointiert und gauklerisch, glaube ich, aber fabelhaft begabt in allen Richtungen [...]«. Sind öfter mit Werfels zusammen, »er, der Franzl«, ein sehr lieber Kerl und rührendes, musikalisches Künstlerkind mit seinen kolossalen Dollar-Einnahmen aus ›Bernadette‹ und ›Jakobowsky‹ und seinem leider schwer kranken Herzen«. Liest ihnen gern nach dem Dinner bei Romanow aus dem ›Doktor Faustus‹ vor. Vergisst bei aller Geselligkeit nicht den politischen Ernst des Krieges. Das Free Germany-Committee [›Council for a Democratic Germany‹] hat sich unter dem Vorsitz von Paul Tillich konstituiert und ist ihm »natürlich spinnefeind«, da er ihren Aufruf nicht unterschrieb, obwohl er diese Weigerung ausführlich begründet hatte [s. Brief an Reinhold Niebuhr vom 23.4.1944 / Reg. 44/152]. Befürchtet, dass sein Aufsatz im ›Atlantic Monthly‹ [›What is German?‹] als Playdoyer für einen »soft peace« aufgefasst werden könnte. Das Erscheinen der englischen Ausgabe des vierten Joseph-Bandes wird in wenigen Wochen erfolgen.
