Thomas Mann an Agnes E. Meyer
- Zeitraum
- Dienstag, 11. Juli 1944
- Datierung
- 11.7.1944
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Hat sich ebenso wie sie selbst über Jeanne Gadsdens Brief über M.s Besprechung von ›Joseph, der Ernährer‹ in der ›New York Times Book Review‹ gefreut. Erfuhr zugleich, dass Jeanne Gadsdens Freund gefallen sei, was ihn wieder an die Opfertode seiner Freunde erinnerte, Karel Čapeks und Menno ter Braaks. War recht erschrocken über Drew Pearsons Bericht über die Konferenz in Teheran: »Bis zur Oder. Königsberg, Stettin, auch wohl Breslau. Und dass es gerade die Polen sind, denen ich so wenig wie Sie etwas zutraue! Vielleicht bringen sie als russisches Protektorat einen besseren Staat zuwege als der, den sie bisher zu präsentieren wußten!« Die Nazis täten im Augenblick alles, um die härtesten Beschlüsse der alliierten Machthaber zu befestigen. »Dächten diese Lumpen im Entferntesten an Deutschland, so würden sie den idiotischen Robot-[Bomben]-Unfug und so manches andere unterlassen.« Fragt sich, was man mit einem Volk anfangen solle, das 1 700 000 Juden in zwei oberschlesischen Lagern von 1942-1944 mit Giftgas umbringt. »Man muß es entmachten. Es soll leben und das ihm innewohnende Gute und Große entwickeln können. Aber zur Macht ist es nicht geboren und darf keine mehr haben.«
