Thomas Mann an G.F. Rosen

Zeitraum
Mittwoch, 21. März 1945
Datierung
21.3.1945
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

R. hätte lieber seinen letzten Artikel lesen sollen [›The End‹], ehe er seine Mahnung zu Gewissenhaftigkeit an ihn richtete, statt an Mr. Shirer. Er wisse zwar nicht, was dieser im Radio Zürich zitiert habe, aber es gebe eine andere Äußerung dieses Mannes über seine Haltung, die ihm nicht zuwider gewesen sei. Hört nicht gern Worte, von der »starken deutschen Demokratie«, da man befürchten muß, dass das Gewicht immer auf »stark« liegt. Die Deutschen müßten einsehen, dass die 200jährige Geschichtsperiode von den Eroberungen Friedrichs II. an zu Ende ist und dass sie ein neues Leben in einer anderen Richtung beginnen müßten. Zweimal im Monat rede er den Deutschen zu, das Regime abzuwerfen; in einigen Wochen werde er in Washington einen Vortrag halten, in dem er es ablehne, sich als das »gute« Deutschland zu empfehlen, im Gegensatz zum »bösen«, und in dem er erklären werde, dass es nur *ein* Deutschland gebe, ein unglückliches. »Ich nenne das deutsche Schicksal nur eine besondere, paradigmatische Zuspitzung des Menschenloses, dass aus dem Guten so oft das Böse kommt. Der *Gnade*, sage ich, deren Deutschland so dringend bedarf, bedürfen wir alle.«

Erwähnungen

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