Thomas Mann an Richard Weil
- Zeitraum
- Donnerstag, 9. August 1945
- Datierung
- 9.8.1945
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für W.’s Sympathie für ›Das Gesetz‹ besonders, da die Darstellung Moses‹ von orthodoxer jüdischer Seite kritisiert worden ist. Rechtfertigt sein Vorgehen, weist darauf hin, dass es in der Novelle nicht ausgesprochen um das speziell Jüdische, sondern um etwas allgemein Menschliches gehe. »Es handelt sich dabei immer um allgemein Menschliches, für das das Jüdische nur repräsentativ ist, und wie man in den Josephs-Geschichten ein humoristisch verschämtes Menschheitslied sehen muß, so ist ›Das Gesetz‹ ein Gedicht auf die menschliche Gesittung selbst, und der Fluch am Schluß der Erzählung richtet sich gegen die verbrecherischen Verneiner dieser Gesittung und ihrer auf dem Sinai gegebenen Gesetze in unserer Zeit.« Erwähnt, dass er Moses die Züge Michelangelos gegeben habe, weil er einen Künstler, einen Bildhauer in ihm sah.
