Thomas Mann an Golo Mann

Zeitraum
Mittwoch, 19. September 1945
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Bedauert, dass der Bericht über sein Gespräch mit einem Mitarbeiter der ›Associated Press‹ wegen der Einladungen, nach Deutschland zurückzukehren, ungenau und unvollständig nach Deutschland gekabelt und dort verbreitet wurde. Seine daraufhin verfaßte Antwort an Walter v. Molo gab er zwecks Weiterleitung an die deutsche Presse dem ›Office of War Information‹. Hofft, dass seine Erwiderung nicht als eine Absage an Deutschland verstanden werde. Ein »widerwärtiger Schmähartikel der sozialdemokratischen Nazis« in der ›Neuen Volkszeitung‹ habe den Ausschlag zu dem Gespräch mit dem Journalisten der A.P. gegeben. Erhielt ebenfalls durch das »O.W.I.« den Artikel von Frank Thieß, »ein unleidliches Dokument, ein Gipfel unverschämter Verfälschung der Dinge«; hätte er ihn vorher gekannt, so wäre in dem Brief an Molo manche Wendung anders formuliert worden. Man dürfe solche Dreistigkeit nicht durchgehen lassen: zwölf Jahre habe man geglaubt, eine anständige Haltung eingenommen zu haben, und jetzt müsse man erfahren, dass man ein Feigling gewesen sei, dass man sich vor dem deutschen Schicksal gedrückt habe und es auch jetzt noch nicht teilen wolle. Fragt Golo, ob er eine kräftige Antwort an Thieß schreiben solle. Ist mit Golos Entschluß, im Amt zu bleiben und Offizier zu werden, sehr einverstanden.

Erwähnungen

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