Thomas Mann an Hermann Broch

Zeitraum
Sonntag, 18. November 1945
Datierung
18.11.1945
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Dankt B. für die »schöne, ernste Sendung«, die ihn sehr beschäftigt hat. B.’s »eindringliche, zugleich schwer warnenden und Hoffnung gebenden Erörterungen« [über das gemeinsam mit Erich v. Kahler bearbeitete Demokratie-Problem] haben ihn tief bewegt. Amerikanische offizielle Stellen hätten auf B.’s Kapitel »ernst und positiv, vielleicht mit einem gewissen Erstaunen darüber, der Wahrheit und Wirklichkeit, der tatsächlichen Sachlage ins Gesicht haben blicken zu können, reagiert«. Bezweifelt allerdings ob diese Reaktion praktische Wirkungen haben werde. »Aber es senkt sich doch etwas ins Gemüt, das nicht leicht wieder daraus verdrängt werden kann.« Schon vor zehn Jahren habe er B.’s großes Exposé über den Völkerbund gelesen, dessen Hauptgedanken er nunmehr »auf die Höhe des Augenblicks« gebracht habe, und die er selbst in der letzten Zeit in Vorträge erörtere. »Daß die ›Freiheit‹ heute das Feldgeschrei bösen Willens geworden, dass Freiheit der Anstands-Restriktion, der Selbstdisziplinierung, des Mutes zu sich selbst bedarf, dass sie lernen muß, im Harnisch zu gehen, wenn sie leben will, das habe ich in mehr oder weniger schonender Form meinen amerikanischen Auditorien vom ersten Jahr meines Aufenthalts an gesagt und viel Kopfschütteln damit hervorgerufen.« So treffe es sich sehr glücklich, dass B., von seiner Studie über Massenpsychologie herkommend, diese aufgezwungene Erkenntnis mit den dort gemachten Erkundungen verbinden, sie damit vertiefen und stützen konnte.

Erwähnungen

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