Thomas Mann an Julian Morgenstern
- Zeitraum
- Dienstag, 27. November 1945
- Datierung
- 27.11.1945
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt dem Präsidenten und dem Hebrew College für die Ehre, den Doctor of Hebrew Letters empfangen zu haben. Aus zwingenden Gründen kann er an der akademischen Feier am 8. Dezember nicht teilnehmen. Glaubt, in der Annahme nicht fehlzugehen, dass ihm dieser Ehrendoktor für die Joseph-Sage verliehen wurde, ein Werk, dem er mehr als ein Jahrzehnt seines Lebens gewidmet habe. »In jenem Roman habe ich zwar die jüdischen Vätergeschichten in ein allgemein menschliches Licht gerückt, aber es waren doch diese frommen Geschichten, die den Grund und die Inspiration gaben für ein in dunkelster Stunde gesungenes Menschheitslied...« Erzählt von dem Beginn der Arbeit zu einem Zeitpunkt, als sich die düsteren Tendenzen in seinem Vaterland zu verdichten begannen, wie er während der weiteren Niederschrift die fürchterlichen Ausbrüche miterleben mußte. Wenn auch die Mächte, die so viel Elend über die Welt brachten, nun am Boden lägen, so seien doch die niedrigen aufwiegelnden Ideen dieser Volksverderber noch nicht tot. Es bedürfe unermüdlicher Wachsamkeit, um die Massen der Völker gegen dieses Gift immun zu machen. Diese Solidarität habe das bedeutendste hebräische Institut in Amerika zum Ausdruck gebracht, indem es einem Nichtjuden die höchste akademische Auszeichnung verlieh.
