Thomas Mann an Kurt Wolff
- Zeitraum
- Freitag, 11. Januar 1946
- Datierung
- 11.1.1946
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
»Ihre Pläne sind herrlich, hoch-begrüßenswert.« So charakterisiert er die Absichten W.’s, eine große Anthologie deutscher Lyrik und eine Essenz des Goetheschen Denkens über Fragen der Lebensführung, Religion, Natur, Kunst, Erziehung, Philosophie und Politik darzubieten. Leider ist es ihm aber unmöglich, eine solche Anthologie herauszugeben, zumal er nicht genug von Lyrik verstehe, um sich zu einer solchen Aufgabe berufen zu fühlen. Und zur Zusammenstellung eines derartigen Goethe-Buches sei er zeitlich einfach nicht imstande. Alle seine Kräfte müsse er jetzt auf seinen großen Roman, den ›Faustus‹ konzentrieren. Außerdem habe er sich zur Abfassung eines großen Nietzsche-Essays verpflichtet. »Denke ich nun die Goethe-Auswahl mit dem obligaten Essay hinzu, so bedeutet das praktisch einfach für mich das Aufgeben des Romans, die Vertagung seiner Beendigung ins Ungewisse...«
