Thomas Mann an Rudolf Jakob Humm

Zeitraum
Sonntag, 3. Februar 1946
Datierung
3.2.1946
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Will ihm auf seinen ›Offenen Brief‹ nicht öffentlich antworten, denn er sei der Diskussion über dies »mißliche Thema« müde. Er möchte auch auf H.’s Brief und den Aufsatz nicht näher eingehen, da zuviele Ansprüche an ihn gestellt würden und er »vor allen Dingen gern meinen großen schweren, sonderbaren und traurigen deutschen Roman unter Dach bringen möchte«. Spricht von seiner Heimatlosigkeit, in der er gelebt habe, seit er seine Heimatstadt verließ. Hat sich eigentlich am glücklichsten in Zürich gefühlt. Wenn Nietzsche gesagt habe, dass ein Volk nur der Umweg zu vier, fünf großen Männern sei, so möge das für demokratische Länder nicht zutreffen, für Deutschland aber seien sie »Zweck, Sinn und Ende der ganzen Veranstaltung«. Spricht offen seine Abneigung gegen die Deutschen aus: »Sie haben einen Zug zum Hämischen, sind selbstisch, wehleidig, provinziell und dünkelhaft, brutal, zur Macht auf keine Weise berufen, und zur Gemeinheit ist ihnen ein tiefer Hang eingeboren.« Fügt hinzu, dass dies äußerst private und gesprächhaft überspitzte Äußerungen seien. Er wolle mit diesen »schlecht komponierten Improvisationen« nur seine Erkenntlichkeit für H.’s geistreiche Beschäftigung mit seinem Fall zeigen.

Erwähnungen

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