Thomas Mann an Félix Bertaux

Zeitraum
Samstag, 26. Oktober 1946
Datierung
26.10.1946
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Freut sich, B. wohlauf an seinem großen Sprachwerk tätig zu wissen, dessen Vollendung er noch erleben möchte. – Stellt Betrachtungen über den Lauf der Welt an, die ihren törichten und blinden Gang gehe. »Piété sans la foi« sei eine recht läppische und snobistische Redensart des Fin de siècle. Aber aus dem Ästhetizisten ins Politisch-Moralische übertragen bezeichnet sie eine Haltung, die viel für sich hat. Man müsse sprechen und handeln, *als ob* man glaubt. Mit Melancholie und Skepsis sei der Menschheit gar nicht geholfen. – Nimmt an, dass sein Bruder Heinrich B. seine ›Besichtigung einer Epoche‹ zugeschickt habe, sein Buch von großartiger und eigenwilliger Naivität, geschrieben in einem Stil von intellektuell federnder Simplizität«, der für sein Gefühl etwas Zukünftiges habe. – Seit seinem »chirurgischen Abenteuer in Chicago« habe er am ›Doktor Faustus‹ weiter gearbeitet. Er sei so etwas wie ein Nietzsche-Roman und »énormément allemand, also sehr traurig«. – Erzählt von den Erlebnissen und der Tätigkeit seiner Kinder. Einige Wochen hätten die Enkel aus San Francisco wieder das Haus belebt, »zwei reizende Jungen von 4 und 6 Jahren, das Glück meiner Frau.«

Erwähnungen

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