Thomas Mann an Viktor Mann

Zeitraum
Mittwoch, 22. Januar 1947
Datierung
22.1.1947
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Kann auf seines Bruders Briefe wenig erwidern, da ihn die Beendigung des ›Doktor Faustus‹ sehr in Anspruch nimmt. Möchte ihm aber seinen Dank sagen für den rührenden Bericht über die Vorlesung von ›Deutschland und die Deutschen‹ bei Kronacher, wo Viktor über ihn gesprochen habe, was einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden gemacht hatte. Es tue ihm gut, zu wissen, dass wenigstens in diesem Kreis sein Vortrag nicht als deutschfeindlich, sondern als ein Solidaritätsbekenntnis verstanden wurde. Über den Vortrag und Viktors Rede habe ihm auch der Schriftsteller Schneider-Schelde berichtet, der den Vortrag gern als Broschüre herausgeben wollte, was wahrscheinlich nicht möglich sei, da die Rechte bei Peter Suhrkamp liegen. Bruder Heinrich Viktors Geburtstagsbrief doch noch erhalten, wenn auch nicht das Original. »Es geht ihm verhältnismäßig wirklich recht gut. Ich finde ihn, wenn er bei uns ist, heiterer und ausgeglichener als seit Jahren, und er ist noch immer rastlos tätig.« Will, wenn der Roman fertig ist, einen Nietzsche-Vortrag ausarbeiten und damit außer nach Washington und New York auch nach Europa gehen, nach einem Reiseplan seines Agenten in Brüssel, nämlich zuerst nach Schweden, dann über London, Brüssel, Amsterdam, Paris und die Schweiz, von wo er nach München kommen werde. »Ich glaube noch immer nicht recht daran, aber es sieht aus, als ob der Traum Wahrheit werden sollte.« – Fügt hinzu, dass Schritte unternommen werden, um Viktors Wohnung von der Beschlagnahme durch die amerikanischen Besatzungsbehörden zu verschonen. Katja teilt im Nachsatz mit, dass inzwischen die drei Care-Pakete abgegangen seien, ein viertes in Auftrag gegeben werde und von ihnen persönlich im November »ein recht schönes, quasi weihnachtliches Privatpaket« abgeschickt worden sei.

Erwähnungen

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