Thomas Mann an Gertrud Schroeder

Zeitraum
Samstag, 29. März 1947
Datierung
29.3.1947
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Ist immer wieder erschüttert von den Klagen über den Zustand Nachkriegs-Deutschlands. Gibt zu bedenken, dass das Land genau in dem Zustand sei, in dem es seine Führer haben wollten, wenn sie den Krieg nicht gewinnen konnten. Der Heilungsprozeß werde verzögert durch die Gegensätze in der Welt, die eventuell zu neuen Katastrophen führen könnten. Auf diese Konflikte rechne mancher und verspreche sich einen Vorteil davon, wobei »Dünkel, Haß und falsches Selbstmitleid« wieder hervorträten. Weil ein Schriftsteller wie Ernst Wiechert einmal »mild und schonend« von einer kollektiven Schuld gesprochen habe, müsse er vor den Verfolgungen in die Schweiz fliehen. Versichert sie, dass aller Welt an einer Gesundung Deutschlands gelegen sei; andererseits sei nicht zu vergessen, dass auch in England, Frankreich, Italien im letzten Winter nicht viel weniger gehungert und gefroren worden sei. »Bleibt der Friede erhalten und bildet allmählich die neue soziale und ökonomische Ordnung sich heraus, mit der die Welt in Wehen liegt, so wird auch ein Volk von den Gaben des deutschen an einer helleren Zukunft teilhaben. Es muß nur verlernen, sich für besser und wichtiger zu halten als alle anderen und auf den Gedanken verzichten, sie zu beherrschen.

Erwähnungen

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