Thomas Mann an Hedda Eulenberg
- Zeitraum
- Sonntag, 6. Juli 1947
- Datierung
- 6.7.1947
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Wegen einer erdrückenden Menge anderer Dinge kam er nicht früher zum Schreiben. Deutschland sei ihm »unsäglich unheimlich« geworden. Dabei ist seine Ehrerbietung für Menschen, die sich in Deutschland gehalten haben, riesengroß, wie z.B. Herbert Eulenberg. »Nicht Ehrenbürger von Düsseldorf sollte er heißen, sondern Ehrenbürger der Welt.« Beim Schreiben des ›Doktor Faustus‹ wurde er krank, operiert, nie sei ihm ein Buch so »auf die Knochen gegangen«. »Der ›Joseph‹ war das reine Opernvergnügen dagegen.« Freut sich über E.’s musikalische Charakteristik von ›Joseph, der Ernährer‹. »Es war artistisch, etwas wie mit der ›Götterdämmerung‹ nach den Einlagen ›Tristan‹ und ›Meistersinger‹, ein Arbeiten mit altgegebenen Motiven.« – Über die Greuel des Dritten Reiches: »Was haben Sie alles verloren! der bonhomme Göring nannte das ›Kahljeschossen‹.« Viele seiner Freunde haben sich getötet, wurden getötet, starben an gebrochenem Herzen. »Ein unsingbares Lied!«
