Thomas Mann an Erich Heller
- Zeitraum
- Montag, 26. Januar 1948
- Datierung
- 26.1.1948
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Vor kurzem sei H.s Manuskript über sein Leben und Schaffen eingetroffen, mit seinem herzlichen Dank wolle er ihn nicht länger warten lassen. »Sie erzählen eine geistige und moralische Entwicklung, die in allen ihren Phasen in voller Naivität erlebt und ausgesprochen wurde, stets ohne Ahnung, daß es weiter ging und eine Geschichte, ja etwas wie ein Lebensschauspiel, nicht unlehrreich, daraus werden sollte.« Die Einheit dieses Lebens, das Wesentliche wisse H. gut gewärtig zu halten. Damit verwoben, erzähle er gleichzeitig die Geschichte eines Künstler- und Erzählertums, wobei die drei großen Werke im Vordergrund stünden, die ›Buddenbrooks‹, ›Der Zauberberg‹ und die Joseph-Geschichten. Dabei komme allerdings »das eingelegte Weimarer Intermezzo« zu kurz, ein Lustspiel weit höherer Art als die ›Königliche Hoheit‹, das *von* der Größe handle und ein vertrauliches Wissen um sie bekunde. Kritisiert, dass H. in seinem Wagner-Essay nicht mehr sehe als eine Beschreibung des ›Joseph‹. Andererseits finde er »vorzügliche Beobachtungen, Einsichten, Aperçus«, die für H.s »kritische Wachheit und Begabung unzweifelhaftes Zeugnis« ablegen. Es bestehe leider keine Aussicht, die Arbeit bei Knopf zu verlegen, da dieser mit Joseph Angell ein Buch über ihn verabredet habe. Für ein ›Buch‹ schließe H.s Schrift, eine ehemalige Dissertation, zu viel aus, vor allem den ›Doktor Faustus‹, Novellen wie ›Unordnung und frühes Leid‹ und den ›Mario‹; ebenso ›Das Gesetz‹, »jene Verteidigung menschlicher Gesittung gegen Nazifrechheit«. Er sei ihm dankbar dafür, dass er einen »Blick für die Einheit meines eigentlichen Lebens, die Leugnung des Bruches und selbst einer eigentlichen Konversion« hatte. Sieht im Ganzen in dieser Arbeit eine akademische Schrift, die in den Rahmen irgendwelcher Universitätspublikationen gehöre.
