Thomas Mann an Alfred A. Knopf
- Zeitraum
- Donnerstag, 3. Februar 1949
- Datierung
- 3.2.1949
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Mr. Weinstock habe eine ausgezeichnete Arbeit geleistet, indem er nicht nur mechanisch die guten Kritiken des ›Doktor Faustus‹ zusammenstellte, sondern auch die unsympathischen Äußerungen nicht vergaß. Was diese negativen Besprechungen betrifft, so sieht er einen Grund in der Tatsache, dass er in früheren Jahren zu sehr gelobt worden sei. Agnes Meyer habe es gut gemeint, sei aber zu aufdringlich, und das kürzlich erschienene Buch von Charles Neider mit der Sammlung von Lobreden auf ihn habe Gereiztheit bei der Kritik hervorgerufen. Schließlich habe sich in der Presse ein Bild seines Künstlertums entwickelt, nach dem er olympierhaft, pompös und schwerfällig sei, langweilig, philosophisch und schwer verständlich, obwohl seine Bücher an sich viel Spaß und Musik enthielten, und er im Grunde ein Humorist sei. Einige Kritiker leugneten es, besonders Professor Levin, der es eigentlich nach seinem hervorragenden Buch über James Joyce viel besser wissen sollte. Orville Prescott dagegen sei einfach ein Esel.
