Thomas Mann an Redaktion ›Aufbau‹, Berlin

Zeitraum
Dienstag, 31. Oktober 1950
Datierung
31.10.1950
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Möchte keinesfalls in der Festschrift fehlen, um dem Freund seine Glückwünsche zu diesem Tag darzubringen. Er sehe in Johannes R. Becher mehr noch als den Dichter und Schriftsteller den Menschen, der von einer Selbstlosigkeit, »einer inbrünstigen Dienstwilligkeit«, einem »Gemeinschaftsethos« sei, das ihn seelisch zum Kommunisten prädisponiere. Dieser Kommunismus sei durchaus patriotisch gefärbt, Becher erfülle sich tatsächlich im Patriotismus, und sein Drang zum Dienst an der Gemeinschaft sei zuerst und zuletzt der Wunsch, seinem Volke, dem deutschen, zu dienen. »Ich glaube, der Tag wird kommen, wo ihm das deutsche Volk in seiner Gesamtheit für diese Liebe Dank wissen wird.« Sein eigener Patriotismus sei dagegen schwach, und gerade die Erscheinung Bechers lasse ihn vermuten, dass das mit seinem Mangel an kommunistischer Begabung zusammenhänge. Zitiert den amerikanischen Kommunisten Cyril K. Gloyn: »Dem Kommunismus liegt der richtige Gedanke zugrunde, dass der Mensch zum Dienst berufen sei nicht an sich selbst, sondern am Nächsten.« Darin sehe er christliche Elemente des Kommunismus.

Erwähnungen

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