Thomas Mann an Claus Unruh

Zeitraum
Sonntag, 13. Januar 1952
Datierung
13.1.1952 [irrtümlich datiert: 1951]
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

»Sie sind ein unruhiger Geist. Gleich wollen Sie meine Weltanschauung auf einem Briefblatt haben. Das geht aber nicht so einfach, und ich kann nur erwidern, daß das Wesentliche meiner Existenz und meines Verhältnisses zur Welt aus meinen Büchern zu schöpfen ist.« Manche hielten ihn für einen Nihilisten, das stimme nur insofern, als er zu der Vermutung neige, »daß nicht nur das Leben auf Erden [...] eine rasch vorübergehende Episode ist, sondern daß auch das materielle Sein im Raum und in der Zeit, der Kosmos selbst, eine solche Episode ist, ein turbulentes Zwischenspiel zwischen Nichts und Nichts«. Das Sein habe es nicht immer gegeben, raum- und zeitloses Nichts werde wieder sein. Auch das Leben mit seinem Entwicklungsgang bis zum Menschen werde es nicht immer geben. Das Episodische verleihe dem Sein und dem Leben Wert und Gewicht. »Und als mein Grundverhältnis zum Sein und zum Leben mit seiner Lust und Last möchte ich die Sympathie bezeichnen.« Dies drücke sich zweifellos in seinen Büchern aus, wofür er einige Sätze aus dem ›Erwählten‹ zitiert. »Ich habe die Menschen zu trösten gesucht – und zu erheitern. Erheiterung tut ihnen gut, sie löst den Haß und die Dummheit, so bringe ich sie gern zum Lachen. Das ist kein nihilistisches Lachen, das ich bringe, kein Hohngelächter. Man braucht nicht sehr hoch von mir zu denken. Aber man darf von mir denken, daß ich es gut meinte mit dem Leben und den Menschen.«

Erwähnungen

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