Thomas Mann an Alexander Moritz Frey
- Zeitraum
- Samstag, 19. Januar 1952
- Datierung
- 19.1.1952
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Ist gerührt, dass sich F. so nachhaltig mit dem »Roman des Romans« beschäftigt. Fühlte anfangs nur die moralische Notwendigkeit, Dr. Adornos Mitwirken am Musikalischen des ›Doktor Faustus‹ anzuerkennen. Dann wurde die auf diesen Roman zentrierte Autobiographie daraus. Hatte Ähnliches mit dem Joseph-Roman versucht, aber vor einer vollständigen Autobiographie hege er große Scheu, weil sie für den literarischen Takt eine fast unlösbar schwierige Aufgabe darstelle. – Seine Aufnahme unter die 50 »Immortals« der American Academy of Arts and Letters hält er für »eine nette, generöse Geste, nichts weiter«. Reflektiert über die Stellung der deutschen Literatur in der Weltliteratur. Der Sohn des Geschichtsphilosophen Arnold Toynbee hat ihn in einem Artikel einmal »the lonely world-citizen« genannt, wobei er seine Isoliertheit direkt aus seinem Deutschtum herleitete. »Ein deutscher Schriftsteller [ist] ein großes Malheur, ein nie aufzuholender Nachteil.« Ein Vorzug dagegen sei es, in die englische oder französische Kultur hineingeboren zu sein. Dann müsse er einen Roman wie ›Verteufeltes Theater‹ nicht jahrelang bei Verlegern herumliegen lassen. – Erzählt von einigen seiner Lieblingsbücher, die sich mit der Kosmologie beschäftigen, wie die von Sir James Hopwood Jeans oder Gerald Heard.
