Thomas Mann an C.-H. Borchardt

Zeitraum
Donnerstag, 11. März 1954
Datierung
11.3.1954
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Antwortet B., der »nachweislich ein Opfer des Nationalsozialismus sowohl wie des Sowjetismus« war und sich jetzt in Not befindet. Hält es offensichtlich für einen Fehler, dass B. nach der Ermordung seines Vaters nach 1942 nach Deutschland zurückkehrte und trotz seiner jüdischen Abstammung für den Norddeutschen Lloyd tätig sein konnte. Nach 1945 habe B. in der sowjetischen Besatzungszone gelebt. »Egoismus, Herzenskälte, Feigheit, Verantwortungslosigkeit sind keine Spezialeigenschaften dieses Gebietes. Man findet sie überall […] Ihr ganzer Haß mußte dem deutschen Faschismus gelten, der Ihnen soviel Böses angetan, – was Ihnen bei den neuen Machthabern ursprünglich gewiß nicht zum Nachteil gereichte.« Hält es für tragisch, dass sich B. trotzdem nicht einzufügen vermochte. Kann sich auch nicht so recht vorstellen, dass B. nur wegen Mahnungen gegen Missstände durch ein russisches Militärgericht zu 10 Jahren Arbeitslager verurteilt wurde. Nun habe B. ein Asyl in Adenauers blühendem Weststaat gefunden und stehe dort doch vor dem Nichts? Aber wie könne er ihm helfen? »Mit Geld nicht. Ich habe einen viel beschwatzten Namen, bin aber nichts weniger als reich und muß in hohen Jahren noch hart arbeiten, um meinen Hausstand aufrechtzuerhalten. Gibt es in der vor Energie, Tüchtigkeit und Lebenslust aus der Haut platzenden Bundesrepublik für einen arbeitswilligen Menschen von 34 Jahren [...] keine Möglichkeit, sich [...] eine Lebensgrundlage, das tägliche Brot zu schaffen?«

Erwähnungen

Hinweis: der Eintrag befindet sich in Prüfung. Haben Sie Korrekturen oder Ergänzungsvorschläge?