Thomas Mann an Bruno Götz
- Zeitraum
- Mittwoch, 15. Juli 1925
- Datierung
- 15.7.1925
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt G. für alles, was dieser ihm persönlich über den ›Zauberberg‹ sagte; G.s Meinung über das Buch habe ihm wohlgetan; dass seine dialektische Ironie nur Oberfläche und ein leidenschaftlich-heiteres Adabsurdum-Führen des rechthaberischen ›Geistes‹ zugunsten des Lebens ist, dass es sich überhaupt um ein lebensfreundliches Werk, ein Werk guten Willens handelt. Freilich, die Ironie, die hier zwischen Tod und Leben spiele, sei, wie jede echte, eine Ironie nach beiden Seiten. Das nenne er »guten Willen«, wenn man wohlwollend das bejahe, was über unser persönliches Geschick hinausgeht; die jungen Leute, die seine Kunstmittel unzeitgemäß finden (obgleich der Geist der Epik zeitlos und alterslos ist) – sollten ihm diesen guten Willen nicht absprechen. Dankt G. für seinen Roman ›Das Reich ohne Raum‹, dessen tiefe, skurrile Phantasie an Hoffmanns Bestes erinnere. War kürzlich in Salem; muntert G. zu einer Begegnung in München auf.
