Thomas Mann an Hans Dittmer

Zeitraum
Donnerstag, 19. Juni 1930
Datierung
19.6.1930
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

›Buddenbrooks‹ sei ein sehr populäres Werk geworden, er selbst sei aber der Letzte, zu verkennen, dass das Buch Spuren jugendlichen Alters trage. »Das apokryphe Verszitat [›Ich bin ein rechtes Rabenaas‹ usw.] ist wiederholt von protestantisch-geistlicher Seite beanstandet worden, und ich habe das einstecken müssen.« Zur Entschuldigung könne dienen, dass in dem Roman Jugendeindrücke wiedergegeben wurden, die ihm Hause seiner sehr frommen reformiert-protestantischen Großmutter entstanden seien. Im übrigen aber müsse er erkennen, »daß innerhalb der protestantischen Kirche menschlich-persönlich nicht alles zum Besten steht, daß viel Rückständigkeit und Renitenz gegen lebendige Notwendigkeiten vorkommt. Mich selbst zu kirchlichen Problemen zu äußern, wäre gewagt, weil ich der kirchlichen Sphäre allzu fern stehe, und weil mich ein solcher Versuch auf ein heikles Gebiet führen würde: ich müßte von der heutigen Lage des Protestantismus überhaupt sprechen«.

Erwähnungen

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