Thomas Mann an Menno ter Braak

Zeitraum
Samstag, 28. August 1937
Datierung
28.8.1937
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Bedankt sich für einen Artikel in ›Het Vaderland‹, der ihn »hauptsächlich interessiert und erfreut als Niederschlag Ihres Besuches bei uns«, wenngleich er auch den Propagandawert für ›Mass und Wert‹ nicht unterschätzt. Würde mit der Veröffentlichung eines Nietzsche-Freud Beitrags in der Zeitschrift wegen seines Vortrags ›Freud und die Zukunft‹ zu sehr ins eigene Fleisch schneiden. Kritisiert B.s These, Nietzsche und Freud seien ebenbürtige Gegner. »Sie sind weder Gegner noch ebenbürtig – Nietzsche, der Kulturkritiker größten Stiles, bei dem übrigens die ganze Psychoanalyse gelegentlich genieblitzweise schon vorkommt und nur ein kleines Segment seiner Welt bildet, und Freud, der Gelehrte, der Forscher, tief und kühn und in manchen Dingen befreiend und neu genug, aber ein Genie gewiß nicht in dem Sinn und dem Stil, wie Nietzsche es war. So hat man beim Lesen beständig das Gefühl der Ungerechtigkeit, wenn Sie die beiden mit einander vergleichen, und ein Lieblingsbegriff Nietzsches, das ›Pathos der Distanz‹, scheint mir dabei zu kurz zu kommen, wie denn etwa nun gar die Namen Feuchtwanger und Maurois in den Aufsatz geraten sind wie Pontius ins Credo.« Sieht der Zusendung des Buchkapitels über das Christentum mit Spannung entgegen; hofft, dass B.s Kritik des Christentums nicht zu radikal sei, denn er habe sich für das Christentum als eine der Grundlagen der abendländischen Gesittung eingesetzt [vgl. Brief an Menno ter Braak vom 3.10.1937 / Reg. 37/176].

Erwähnungen

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